Finger und Kopf
- Top Provenienz - Übermalte Terrakotta
- Finger und französische Nationalfarben - Surrealer Kopf auf lackiertem Nagel
- Deutscher Pionier der Pop Art - Mitgründer von Großgörschen 35 in Berlin
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4.500,00 €
Besonderheiten und Bemerkungen
Wir sehen einen weiblichen Kopf, der merkwürdig verformt ist, als wäre er durch die Hand eines Kubisten oder Surrealisten modelliert. Die Frau hat zusammengebundene, schwarze Haare und sinnlich geschlossene Augen mit langen Wimpern.
Die rotbraune Terracotta wurde von Wintersberg fast vollflächig übermalt: in Blau, Weiß und Rot, den französischen Nationalfarben. Vor allem das kräftige Rot weckt auch Assoziationen zur Welt der Kosmetik und der Farbe des Blutes.
Der untere weiße Teil der Plastik scheint entsprechend eine zerschnittene Fingerspitze mit rot lackiertem Nagel darzustellen.
Malerkeramik
Anfang der 1990er Jahre widmet sich Wintersberger zunehmend auch der Plastik. Er modelliert in Ton und lässt diesen später brennen. Der manuelle Arbeitsprozess wurde vom Künstler als Beruhigung und Moment der Sammlung empfunden. Wintersberger greift Figuren und Symbole aus seiner Malerei auf, insbesondere verstärkt sich seine Tendenz zur Gestaltung von Mischwesen mit mythologischem Gehalt.
"Die Plastiken zeigen menschliche Figuren, maskenartig abstrahierte Gesichter und Körper in Halb- und Ganzansicht. Sie erinnern an die archaische Wucht aztekischer Götterfiguren, andere, weicher modelliert, greifen in surreale Drehungen und Überdehnungen der Glieder in den Raum.“
Brigitte Reinhardt, 1995
Im Sommer 2026 präsentieren wir die Keramiken des Künstlers in einer einmaligen Sonderauktion.Bleu-Blanc-Rouge
"Wintersberger ist Auge, sogar noch bevor er Maler ist, und seine visuelle Wahrnehmung besitzt die wunderbare Kraft sowohl eines geistigen als auch eines visuellen Organs. Sein Blick beschränkt sich nicht darauf zu registrieren; er ordnet unaufhörlich Welten und Gesellschaften mit den Leidenschaften und Dramen, die sie bewegen.“
Claude Rossignol 1992 zu "Bleu-Blanc-Rouge"
1985 lässt sich Wintersberger in einem alten Bahnhof in Walbourg im Elsass nieder. Nicht weit von seiner vorherigen Wirkungsstätte, Stuttgart, aber schon ganz von der französischen Kultur geprägt.
Auf einer Reise durch die Hauptstadt Paris, Mitte 1990, erlebte der Maler die ganze Stadt geschmückt zum Nationalfeiertag, über und über in den drei symbolträchtigen Farben getaucht. Es war also zunächst dieser visuelle Impuls, der die Inspiration des Künstlers beflügelte, später sicher auch eine Würdigung der geschätzten Vorbilder und Ikonen der französischen Kulturgeschichte.
Vor allem aber mischte sich die Tiefe von Wintersbergers Unterbewusstem mit ein: Aus diesem entwickelte er die Figur des "Petit Napoleon", dieser gebrochenen Figur, die Größe und Niederlage verkörpert und die als Alter Ego und kleiner Mann, als Maske und Narr durch immer wieder durch diese Serie geistert.
Finger
Wintersbergers frühstes Leitmotiv, der stilisierte "Finger", kam in seiner ersten Phase des Erfolges als deutscher Pop-Art-Künstler noch perfekt geformt und rot lackiert in Schaumstoff daher. Als Objektkunst wurde es zum Möbelstück. Das Motiv wurde anschließend mehrfach variiert: zerschnitten, zergliedert, verletzt, gesprengt...
Ab den 1970er Jahren beginnen jedoch für den Maler die Formen, ihre Festigkeit zu verlieren. Seine Kunst wird psychologischer und expressiver.
Die Echtheit der Arbeit ist durch Expertenbegutachtung abgesichert.
Auf Wunsch und Kosten des Erwerbers beschaffen wir gerne ein schriftliches Gutachten.
Die Plastik stammt direkt aus dem Nachlass des Künstlers.
Informationen zum Werk
| Farbwelt | Kräftig & farbstark |
|---|---|
| Kategorie | Plastik |
| Künstler | Wintersberger, Lambert Maria |
| Jahr | 1994 |
| Titel | Finger und Kopf |
| Größe 1 | Gesamtansicht 41,5 x 18,0 x 18,0 cm |
| Material | Ton, gebrannt und unglasiert, farbig gefasst |
| Auflage | Unikat |
| Signatur | Unter der Basis Nachlassstempel |
| Publikation | vgl. manus presse (1992). Bleu-Blanc-Rouge. Bilder. Malerei auf Papier. [Katalog]. Stuttgart: manus presse |
| Provenienz | Nachlass des Künstlers |
Informationen über den Zustand
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Die Plastik ist in sehr gutem Erhaltungszustand Minimale Oberflächenspuren und -verunreinigungen. Lose auf Sockel montiert. |
Informationen über den Künstler
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Der Maler Lambert Maria Wintersberger gilt als einer der Pioniere der deutschen Pop-Art. Gemeinsam mit Markus Lüpertz, Karl Horst Hödicke, Bernd Koberling und anderen gründete er die Gruppe Großgörschen 35 in Berlin. Sie gilt als eine der ersten sogenannten “Produzentengalerien” und hatte Modellcharakter. Ursprünglich stammte Lambert Maria Wintersberger aus Süddeutschland. Er wurde 1941 in München geboren. Seine Künstlerlaufbahn begann er 1958 als Dekorations-, Kirchen- und Glasmaler sowie Mosaikbildner. 1959 nahm er als Schüler von Blasius Spreng sein Studium an der Akademie in München auf. 1961 wechselte er nach Florenz und belegte Kurse an der Accademia di Belle Arti. Er studierte die Meister der italienischen Malerei und bereiste die Landschaft der Toskana. 1964 wechselte Wintersberger aus Italien in das geteilte Berlin und arbeitete als freischaffenden Künstler. Gemeinsam mit Künstlerkollegen gründete er in einer ehemaligen Fabriketage in Berlin-Schöneberg die Selbsthilfegalerie Berliner Künstler, benannt nach der Anschrift Großgörschenstraße 35. Die Gruppe Großgörschen 35 existierte von 1964 bis 1968. Die Arbeit des Künstlers Wintersberger wurde 1968 mit dem Burda-Preis der Stadt München geehrt. 1969 verließ Wintersberger Berlin und siedelt nach Stuttgart über. Im folgenden Jahr erhielt er den Preis für Malerei auf der 6. Biennale der Jugend in Paris und wechselte nach Köln. Aber nicht viel später zog er weiter: 1971 bis 1972 setzte er seine Arbeit in den USA fort. 1974 bis 1977 kam er nach Deutschland zurück und nahm einen Lehrauftrag an der Kunstakademie in Düsseldorf an. 1980 bis 1985 ging er zurück nach Stuttgart und letztlich nach Walbourg im Elsass, wo er sich langfristig niederließ. Er ist 1992 der Preisträger des Centre Européen d’Actions Artistique Contemporaines in Strasbourg. Lambert Maria Wintersberger lebte und arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 2013 in Walbourg (Frankreich) in einem alten Bahnhof, den er seit 1985 als Wohnsitz und Atelierhaus umgebaut hatte. |
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