Kunst als Wertanlage
Chancen und Risiken realistisch betrachtet
Ist Kunst eine gute Geldanlage?
Die ehrliche Antwort: nur mit der richtigen Beratung oder dem nötigen Fachwissen. Ohne beides sieht es in den allermeisten Fällen schlecht aus.
Das mag überraschen, denn kaum ein Markt wird so sehr mit Rekordpreisen in Verbindung gebracht wie der Kunstmarkt. Ein Basquiat für zehn Millionen, ein Picasso für achtzig. Wer solche Zahlen liest, denkt schnell: Kunst als Wertanlage, das klingt nach einer soliden Sache, das kann ja nicht so schwer sein. Die Realität für die meisten Sammlerinnen und Sammler, auch für die meisten Erbinnen und Erben eines Gemäldes, sieht anders aus.
Warum wir glauben, Kunst steige immer im Wert
Der Grund für diesen Irrtum liegt nicht im Kunstmarkt selbst, sondern in unserem Kopf. Psychologen nennen es die Verfügbarkeitsheuristik: Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach ein, wie leicht uns Beispiele dafür einfallen. Und woran erinnern wir uns? An den letzten Zeitungsartikel über einen Rekordzuschlag bei Sotheby's. Nicht an die Tausenden Werke, die auf Auktionen unverkauft bleiben oder weit unter Schätzpreis den Besitzer wechseln. Nur Rekorde sind eine Nachricht wert. Die Normalität der Kunstwelt schafft es nie in die Medien.
Wussten Sie, dass...
... über 50 Prozent aller Verkäufe im Kunstmarkt unter einem Preis von 1.000 Euro bleiben? Das ist die tatsächliche Größenordnung, in der sich die meisten Transaktionen bewegen. Die spektakulären Ausnahmen prägen also unser Bild vom Kunstmarkt, mit der Realität des Marktes hat das aber wenig zu tun.
Wer früh Zugang zu den einflussreichen „Alpha-Galerien“ findet, bleibt meist im Zentrum des Marktes. Wer diesen Zugang nicht bekommt, bleibt außen vor, unabhängig davon, wie gut die Kunst ist. „Was wir als gute Kunst verstehen“, sagt Resch, „ist das Resultat von gutem Marketing und geschlossenen Netzwerken.“
Das Netzwerk entscheidet, nicht das Talent
Eine im Juli 2026 in Nature Communications veröffentlichte Studie, an der Resch ebenfalls beteiligt war, bestätigt dieses Muster eindrücklich: diesmal anhand der Karrieren von über 65.000 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern in mehr als 20.000 Museen, Galerien und Institutionen weltweit. Ein Künstler, der in einem von Männern dominierten institutionellen Netzwerk ausstellt, hat eine Wahrscheinlichkeit von 73 Prozent, überhaupt den Auktionsmarkt mit seinen Rekordpreisen zu erreichen. Eine Künstlerin im selben Netzwerk kommt auf 69 Prozent. Wer dagegen in einem weniger einflussreichen Netzwerk startet, sieht diese Wahrscheinlichkeit auf 52 Prozent sinken — und das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen.
Die Kernaussage für jeden, der Kunst als Wertanlage betrachtet: Das institutionelle Netzwerk, in dem eine Karriere beginnt, sagt den späteren Markterfolg stärker voraus als nahezu jeder andere Faktor, auch stärker als das Geschlecht. Wertsteigerung ist kein Qualitätsurteil über ein Werk. Sie ist das Ergebnis einer Struktur, die sich Jahre vor dem ersten Auktionszuschlag festlegt und auf die weder Künstler noch Käufer im Nachhinein Einfluss haben.
Warum das für Ihr Kunstwerk wichtig ist
Wenn Sie ein Gemälde geerbt haben oder überlegen, ein Werk als Anlage zu kaufen, lässt sich daraus eine klare Konsequenz ziehen: Ob ein Kunstwerk im Wert steigt, hängt fast nie an der Machart, der Handschrift oder Ihrem persönlichen Geschmack. Es hängt an der Frage, ob die Künstlerin oder der Künstler in genau jenem schmalen Netzwerk aus Top-Galerien, Museen und Sammlern verankert ist, das über Sichtbarkeit und Preis entscheidet.
Für Werke außerhalb dieses Netzwerks und das betrifft die überwältigende Mehrheit aller Kunstwerke in privaten Sammlungen und Nachlässen gilt: Der Wiederverkaufswert muss von einem Experten im aktuellen Markt eingeschätzt werden.
Wenn man erst Jahrzehnte später gewürdigt wird...
Hilma af Klint (1862-1944) war eine schwedische Malerin und Pionierin der abstrakten Kunst, die bereits Jahre vor Wassily Kandinsky und anderen bekannten Abstrakten revolutionäre Werke schuf. Der Durchbruch kam allerdings erst in den 1980er-Jahren und seitdem auch institutionell die weibliche Kunstgeschichte aufgearbeitet wird, steigen die Preise ihrer Werke stetig.
Ausnahmen machen Lust auf mehr
Die oben zitierte Forschung bezieht sich auf den zeitgenössischen Kunstmarkt, auf lebende Künstler und aktuelle Galerienetzwerke. Bei alter Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts oder Werken verstorbener Künstler, liegt der Fall anders.
Der Marktwert alter Kunst ist in den letzten Jahrzehnten in der Breite sehr gefallen, der Geschmack der Sammler hat sich zugunsten zeitgenössischer Kunst verschoben. Man kann heute mitunter sehr günstig hochqualitative Kunstwerke des 19. Jahrhunderts erwerben. Trotzdem gibt es Ausnahmen: einzelne Künstler, die von Fachleuten neu erkannt oder in ihrer Bedeutung neu bewertet werden, gewinnen zum Teil sehr attraktiv an Wert.
Auch Künstlernachlässe, die professionell aufgearbeitet werden — mit sauberem Werkverzeichnis, klarer Provenienz und gezielter Marktpflege — können im Wert steigen, selbst wenn der Künstler längst verstorben ist.
Man muss nur wissen welche. Das Marktgeschehen bleibt immer spannend und hält auch manchmal Überraschungen bereit.
Fazit
Kunst als Wertanlage funktioniert, aber nur für einen kleinen Ausschnitt des Marktes, der durch Netzwerke und Fachwissen bestimmt wird. Für alle anderen, und das ist die überwiegende Mehrheit, gilt: Kunst ist in erster Linie ein Wert für den Sammler selbst, kein verlässliches Renditeinstrument. Wer das akzeptiert, kauft und verkauft entspannter.
Es gibt allerdings einen Weg, der diese Regel nicht widerlegt, sondern bestätigt:
Wenn Sie bereit sind, sechsstellig in den Aufbau einer Kunstsammlung mit Wertsteigerung zu investieren, können Sie genau jenen Zugang zu den besagten Netzwerken und zu Fachwissen erlangen. Die Eintrittskarte zu Kunst als renditestarke Wertanlage ist eingesetztes Kapital.
Klingt das interessant für Sie?
Gern übernehmen wir bei e.artis auf Wunsch den gezielten Aufbau einer wertsteigenden Kunstsammlung nach genau den Kriterien, die Wissenschaft und Markt als entscheidend identifiziert haben.
Sprechen Sie uns an, wenn das Ihr Anspruch ist und wir entwickeln mit Ihnen eine Strategie. In jedem Fall werden wir für Sie auch Werke auf dem Sekundärmarkt zu mitunter viel attraktiveren Preisen für den gemeinsam definierten Sammlungsschwerpunkt suchen.
Ihre Konstanze Wolter
Ist Ihre Kunst im Wert gestiegen?
Reichen Sie hier Fotos ein.
Profitieren Sie von unserer unabhängigen Expertise im Kunstmarkt
oder senden Sie uns gleich Fotos Ihrer Kunst per
WhatsApp 0371 80007880